Buch: Fairer und sozial gerechter Einkauf

FAIRER UND SOZIAL GERECHTER EINKAUF

2. Beispiel: Eine Banane und ihre Geschichten

Manuel lebt in Panama mit seiner Familie auf einer Bananenplantage:

© FAIRTRADE Austria/Polleros

„Hallo, ich bin Manuel aus Panama. Ich möchte euch von meinem Leben erzählen. Ich lebe mit meiner Mutter und meinen vier kleineren Geschwistern auf einer großen Bananenplantage. Mein Vater ist vor zwei Jahren gestorben. Mama sagt, dass ihn die giftigen Pflanzenschutzmittel, mit denen er jeden Tag auf dem Feld zu tun hatte, getötet haben.

Meine Mutter arbeitet in der Verpackstation und seit dem Tod meines Vaters muss ich auch arbeiten und mitverdienen. Ich bin Bananenträger und muss jeden Tag schwere Bananenbüschel schleppen. So ein Büschel kann 50 Kilogramm wiegen! Noch schlimmer finde ich es, wenn aus dem Flugzeug das giftige Pflanzenschutzmittel über die Plantage gesprüht wird, während wir dort arbeiten. Dann brennt es in den Augen, in der Lunge und auf der Haut und ich muss an meinen Vater denken. Doch wenn ich nicht arbeite, dann können wir nicht überleben. Meine Mutter verdient vier bis fünf Dollar am Tag und ich drei Dollar. Wenn wir einmal so krank sind, dass wir nicht arbeiten können, bekommen wir auch keinen Lohn und können uns nichts zu essen kaufen. Meine Mutter ist oft sehr verzweifelt und traurig und träumt von einem besseren Leben. Doch wir besitzen nichts! Wenn wir die Bananenplantage verlassen, haben wir nicht einmal mehr die paar Dollar, die wir jetzt verdienen. Es ist aussichtslos.“

 

Manuel macht sich um vier Uhr in der Früh auf den Weg in die Plantage, dort arbeitet er täglich außer Sonntag bis zu 13 Stunden. Es ist sehr warm, aber er arbeitet mit nacktem Oberkörper, es gibt keine Schutzkleidung, obwohl sehr viel Gift gespritzt wird. Die Bananen sind so empfindlich, dass jährlich ca. 50 kg Spritzmittel - sogenannte Pestizide - pro Hektar eingesetzt werden. Laut Daniel Hausknost von der Umweltschutzorganisation Global 2000 sind Bananen die Pestizid-WeltmeisterInnen der Lebensmittelproduktion.

Leider kommen die DorfbewohnerInnen auch außerhalb der Plantagen mit den Pestiziden in Kontakt: Böden, Brunnen und Flüsse sind vergiftet.